Aquascaping-Meisterschule 2019: Das Becken Nr. 4

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Auf der Tierwelt Messe in Magdeburg am 6. & 7.4.2019 war auch die Aqua Design Meisterschule von JBL, Juwel & Tropica Aquarium Plants wieder mit auf dem Veranstaltungsplan. Und ich durfte dieses Jahr zum wiederholten Mal als Meister Teil der Veranstaltung sein.

Das heißt, dass ich zusammen mit 2 zufällig zugelosten Schülerinnen ein Juwel Rio 125 Aquarium eingerichtet habe.

Dieses Jahr gab es 6 Meister, u.a. auch Florian, der letztes Jahr noch einer meiner Schüler gewesen ist! Von den über 150 Bewerbungen für die diesjährige Meisterschule wurden am Ende 12 Schüler ausgewählt und den 6 Meistern zugelost.

Der Tag beginnt mit dem Auspacken der Aquarien und des Zubehörs.
Der Tag beginnt mit dem Auspacken der Aquarien und des Zubehörs.
Alle Schüler & Meister versammelt.
Alle Schüler & Meister versammelt.

Alle Meister haben das selbe Becken bekommen, ein Juwel Rio 125, inkl. vollständiger, technischer Ausstattung von JBL. Pflanzen wurden zusätzlich vorher bei Tropica bestellt, lediglich das Hardscape musste von den Meistern im Vorfeld ausgesucht und mitgebracht werden. Hieß also für die Meister im Vorfeld bereits ein Layout konzipieren, um die passenden Pflanzen auch bestellen zu können.

Meine Grundidee für das Layout war eine massive Steinwand, die im Hintergrund komplett mit Soilbodengrund aufgefüllt und erhöht wird, sodass es keinen wirklichen Hintergrund gibt. Stattdessen kann ich auch oben und hinten im Layout kleine Pflanzen und sogar Bodendecker benutzen. Sie bleiben trotzdem sichtbar und erreichen so eine starke Tiefenwirkung durch den Einsatz möglichst kleiner Pflanzen auch im Hintergrund.

Als Hardscape habe ich dieses Jahr den Drachenstein (Ohko Stone) gewählt. Sicherlich einer der bekanntesten Steine im Aquascaping, wirkt er durch seine stark zerklüftete Oberfläche doch immer recht "aggressiv" und kann so sehr gut für massive Aufbauten und sehr dramatische Scapes verwendet werden. Insgesamt haben wir ca. 17Kg dieses Gesteins in dem Becken verbaut.

Da das ganze Layout wie eine Wand im vorderen Teil des Aquariums stehen musste, wurden die Steine außerdem miteinander verklebt. Hierzu wurde Sekundenkleber verwendet. Da der Kleber beim direkten Aufbringen auf den Stein aber kaum Kraft entfaltet und auch keine große Oberfläche bietet, wird der Kleber mit Zigarettenfiltern kombiniert. Die dichte Zellulose der Filter saugt den Kleber auf und reagiert mit ihm. Einerseits entsteht so eine größere Auflagefläche für den Stein und andererseits härtet der Filter vollständig aus, was eine sehr starke Verbindung erzeugt, die selbst schwere Steine problemlos halten kann.

Zubehör kam von JBL.
Zubehör kam von JBL.
Sekundenklebertechnik mit Zigarettenfiltern für sehr starke Klebeverbindungen.
Sekundenklebertechnik mit Zigarettenfiltern für sehr starke Klebeverbindungen.

Die Bepflanzung ist im Grunde zweigeteilt: Auf der Felswand und im Vordergrund davor finden sich hauptsächlich Aufsitzerpflanzen, Moose und die Cryptocoryne parva. Allesamt Pflanzen, die sehr genügsam sind, langsam wachsen aber vor allem auch epiphytisch wachen, also nicht in den Bodengrund gepflanzt werden müssen, sondern sich mit Haftwurzeln an den Felsen festhalten können. Mit diesen Pflanzen wurde also die Mauer begrünt und vor allem die diversen Klebestellen, die man im nackten Zustand noch immer sehen konnte, verdeckt.

Trotz der Verklebung und des Einsatzes verschiedener Steingrößen ist es oftmals nicht möglich, eine wirklich geschlossene, dichte Felswand zu erschaffen. Zu diesem Zweck wird Filterwatte benutzt., um die noch vorhandenen Lücken von Hinten zu verstopfen. Hier stand uns ein riesiger Vorrat der JBL Symec Filterwatte zur Verfügung, die wir dafür in kleine Büschel zerteilt und in die Lücken zwischen den Felsen gestopft haben.

Warum war das denn überhaupt wichtig?

Weil wir im Hintergrund, hinter der Felswand, den Bodengrund wirklich bis zur oberen Kante der Felswand selbst aufgeschüttet hatten und natürlich vom Soil nichts nach vorne auf die Sandfläche rieseln sollte. Um einen solchen Aufbau wirtschaftlicher zu machen, wird zuerst ein Unterbau aus JBL Volcano Mineral eingebracht. Dieses Material erfüllt 3 Zwecke:

  1. Es verbessert die Durchflutung des Bodens durch seine poröse Struktur
  2. Es fördert die Ansiedlung von Bakterien durch seine große Oberfläche
  3. Es ermöglicht höhere Aufschüttungen durch seine kantige Struktur (es bleibt stabiler bei höheren Aufbauten)

Volcano Mineral (oder ein anderes, poröses Gestein) sollte meiner Meinung nach in jedem Aquascape aus den genannten Gründen immer die unterste Schicht des Bodengrundaufbaus ausmachen. Anschließend kam eine Schicht Soil über das Volcano Mineral, in die dann auch tatsächlich gepflanzt wurde. Das Soil liefert den Pflanzen über einen längeren Zeitraum alle wichtigen Nährstoffe. Hier kam das JBL PlantSoil brown zum Einsatz.

Wenn du noch mehr über den optimalen Bodnegrundaufbau für ein Aquascape wissen möchtest, empfehle ich dir mein Video dazu.

 

Die Bepflanzung hinter der Steinwand auf dem aufgeschütteten Soil bestand aus 3 verschiedenen Stängelpflanzen, die sich sowohl in Größe, Wuchsgeschwindigkeit als auch Farbe unterschieden. Die vorderste Reihe (nahe an der Steinwand) besteht auch Gratiola viscidula, eine grüne, langsam wachsende Stängelpflanze mit kleinen, spitzen Blättern.

Dahinter wurde eine Reihe Rolata Bonsai gepflanzt, die etwas schneller wächst und an den obersten Blättern eine schöne, orangene Farbe aufweist, wenn sie genug Licht bekommt. Da die Pflanzen an der Stelle sehr nahe unter der Beleuchtung sitzen, ist das in diesem Layout aber kein Problem.

Und die letzte Reihe besteht aus der Rotala H'Ra, einer schnellwachsenden Stängelpflanze, die unter den richtigen Bedingungen sehr kräftig tiefrot werden kann und einen leicht überhängenden Wuchs hat. Hierdurch ergibt sich jetzt über der Steinwand ein "Kamm" aus Stängelpflanzen, der von vorne nach hinten immer höher wird und gleichzeitig einen Farbverlauf von grün über orange bis rot aufweisen wird. Davon ist direkt nach dem Pflanzen natürlich noch nichts zu sehen, durch die Nähe zum Licht und dem riesigen Soilberg werden sich die Pflanzen dort aber schnell entwickeln.

An der rechten Seite wurde im Vordergrund noch eine Kombination aus Marsilea crenata und Marsilea hirsuta gepflanzt, die als Bodendecker langsam um die Felswand herum und in Richtung sandigem Vordergrund wachsen werden und so den Übergang zwischen Soil und Sand verstecken werden.

Bei der Pflege des Layouts und der Düngung ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt, da ein Teil der Pflanzen auch gut und gerne ohne zusätzliche Düngung klar kommen würde, ein anderer Teil jedoch nicht. Gerade die Stängelpflanzen auf dem Kamm der Mauer brauchen viel Licht und verzehren auch viele Nährstoffe. Durch die Nähe zum Licht wird dieses Verhalten gefördert, gleichzeitig bildet der Untergrund aus Soil aber auch einen längerfristigen Nährstoffspeicher, der diese Pflanzen recht lange versorgen wird. Daher ist zu Beginn eine zusätzliche Düngung noch nicht notwendig, wenngleich CO2 sofort zugesetzt werden sollte.

Früher oder später wird aber eine Düngung mit Kalium, Eisen und evtl. Nitrat notwendig werden. Auf Phosphat kann u.U. und je nach Fischbesatz verzichtet werden.

Meine beiden Schülerinnen: Nathali (li.) & Ulrike (re.)
Meine beiden Schülerinnen: Nathali (li.) & Ulrike (re.)

Mir hat der Tag in meiner Rolle als Meister super viel Spaß gemacht und ich denke auch, das meine beiden Schülerinnen, Nathali und Ulrike, ebenfalls einen tollen Tag hatten. Am Ende des Tages hat Ulrike das Becken mit nach Hause genommen und wird es dort weiter betreiben.

Besondere Momente waren sicherlich das Verkleben des Hardscapes, eine Tätigkeit, die nicht in jedem Becken überhaupt nötig ist, hier aber essentiell für die langfristige Stabilität des Layouts ist. Außerdem war der Einsatz von Filterwatte als Sperre zwischen den Soilschichten eine interessante Erfahrung für meine Schülerinnen. Die Filterwatte kann problemlos dauerhaft im Becken verbleiben und kann sogar von pflanzen bewachsen werden. So wird sie im Laufe der Zeit vollkommen unsichtbar, obwohl sie weiterhin ihre Aufgabe erfüllt.

Ich habe das Format der Meisterschule mittlerweile für mich als einen der wichtigsten Termine auf der Messe in Magdeburg abgespeichert, da ich dort das Aquascaping wirklich direkt und live den Leuten vorstellen und näherbringen kann. Dabei sind es oft die Kleinigkeiten, die die Zuschauer interessieren und fesseln, da selbst ich vieles davon noch nicht im Detail in einem meiner YouTube-Videos gezeigt habe. Auch halte ich es für wichtig und richtig, hier ein Scape in einem "normalen" Aquarium einzurichten, um den Zuschauern und Besuchern zu verdeutlichen, dass es keine große Einstiegshürde für das Aquascaping geben muss. Erst einmal kann in jedem Aquarium ein schönes Scape errichtet werden.

Der Boden besteht aus JBL Volcano Mineral als Unterbau, darüber JBL Plant Soil brown und im Vordergrund eine Zierschicht aus JBL Sansibar River Sand.

Ich freue mich, wenn du auch beim nächsten Artikel wieder hier auf meinen Blog zurückfindest!

Bis bald,

Tobi

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