Aquascaping-Meisterschule 2018: Das Becken Nr. 5

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Am 08.04.2018 war ich eingeladen, im Rahmen der Tierwelt-Messe in Magdeburg, als Meister an der Aquascaping-Meisterschule teilzunehmen und an diesem Messetag ein Becken von Grund auf mit 2 Schülern zu scapen. Die Veranstaltung war im Endeffekt eine Art Intensivworkshop, wo jeder der 5 anwesenden Meister jeweils mit 2 Schülern intensiv an einem Becken gearbeitet und es vollständig gestaltet und eingerichtet hat. Die Schüler konnten sich dafür zu dieser Veranstaltung im Vorfeld auf der Seite der Tierwelt-Messe anmelden. Ich hingegen wurde im Vorfeld von JBL angefragt, ob ich nicht Lust hätte, als Meister teilzunehmen.

Alle Meister haben das selbe Becken bekommen, ein Fluval F90, inkl. vollständiger, technischer Ausstattung von JBL. Bodengrund wurde ebenfalls vor Ort gestellt, lediglich das Hardscape musste von den Meistern im Vorfeld ausgesucht und mitgebracht werden. Pflanzen kamen von Tropica Aquarium Plants, wozu jeder Meister vor der Veranstaltung eine Bestellung in Höhe von bis zu 200€ für Pflanzen bei Tropica einreichen konnte.

Als Grundidee hatte ich im Vorfeld an einen Island-Style gedacht, also 1-2 Inseln mit Wurzeln und Steinen, untereinander abgetrennt durch Sand oder auch einen dichten Teppich aus Bodendeckern. Als Bodendecker hatte ich auch Eleocharis sp. Mini und Marsilea hirsuta in angemessener Menge bestellt, sodass beide Möglichkeiten machbar gewesen wären. 

Als Hardscape hatte ich Talawa Wood und Seiryu Ryouh Stones (Minilandschaft gewählt). Das Talawa hat oft eine sehr strikte Wuchsrichtung und kann so wunderbar für ein dynamisches Layout verwendet werden, was den Fluss des Wassers aufgreift und widerspiegelt. Ergänzt mit der Minilandschaft ergeben sich so einzelne, hübsche Insen, die aber dennoch ein in sich geschlossenes, stimmiges Gesamtlayout ergeben.

Eine Besonderheit des Layouts ist sicher das Talawa Holz selbst, das zum Teil aus dem Becken herausragt. Solche Layouts sind natürlich nur in Becken ohne Abdeckung möglich. Sie erzeugen dabei für mich immer ein Gefühl von wirklicher Natur im Wohnzimmer, die größtenteils, aber eben nicht völlig, gezähmt wurde. Außerdem erlauben solche herausragenden Hardscape-Elemente den Einsatz von emersen Pflanzen an diesen Stellen, was die Grenze zwischen Aquarium und Terrarium ein wenig verschwimmen lässt.

So schön das Talawa Holz auch ist, hat es aber den Nachteil, dass es im Aquarium nicht sinkt. Es muss daher sehr gut befestigt werden, damit das gesamte Layout beim Fluten nicht aufschwimmt und in sich zusammen fällt. Zu diesem Zweck haben wir das Holz als allererstes in das Becken eingesetzt, noch bevor der Bodengrund dazu kam. Wir haben das Holz mit JBL ProHaru Kleber direkt auf der Bodenplatte des Beckens verklebt um dafür zu sorgen, dass es nachher nicht mehr aufschwimmen kann. Und da die letzte der 3 verwendeten Stücke keine gerade Klebefläche bot, haben wir diese Wurzel kurzerhand mit Kabelbindern an der anderen Wurzel befestigt und die Berührungspunkte zwischen den 2 Wurzeln noch einmal mit dem Kleber fixiert. Der Kabelbinder ist im Becken verblieben, allerdings versteckt unter Moos, was ebenfalls mit dem Kleber über dem Kabelbinder aufgeklebt wurde und diesen so überwuchern wird.

Ein anderer Trick, solche Baustellen zu verstecken ist es die entsprechende Stelle ebenfalls wieder mit Kleber zu bestreichen und diesen dann mit zerriebenem Soil oder Sand zu bestreuen. So entsteht ein sehr natürlicher Look und weder vom Kleber noch vom Kabelbinder würde im finalen Layout etwas zu sehen sein.

Zur Sicherheit wurden die Wurzeln anschließend noch, nach Einfüllen des Bodengrundes, mit einigen Seiryu Steinen beschwert, die gleichzeitig für den Insellook gesorgt haben. Damit war das Hardscape soweit gesichert und gleichzeitig auch fast schon fertig. Es wurden dann nur noch 2 weitere Seiryu Steine weiter links im Becken gesetzt, um die generelle Flussrichtung des Layouts zu unterstützen und sanft auslaufen zu lassen.

Das Becken ist zum großen Teil mit Aufsitzerpflanzen und Farnen bepflanzt, die eher genügsam sind was die Pflege angeht. Dazwischen finden sich aber auch die oftmals sehr zickige Cryptocoryne albida Brown, die eigentlich auch eine einfache Pflanze ist, sich aber nach dem Einsetzen u.U. SEHR lange Zeit lässt, bis sie sich mal auf den submersen Wuchs umgestellt und ihre Blätter erneuert hat.

Pflanzen in dem Layout, die dagegen sehr von CO2 und einer separaten Düngung profitieren, sind:

  • Eleocharis sp. Mini
  • Alternanthera reineckii Mini
  • Hygrophila pinnatifida
  • Cyperus helferi
  • Ludwigia Rubin

Durch die vergleichsweise dichte Bepflanzung von vornherein sollte die Einfahrphase recht problemlos und algenfrei überstanden werden. Die ersten 2 Wochen empfehle ich bei diesem Layout 2x50% Wasserwechsel pro Woche, um die durch das Soil eingebrachten Nährstoffe nicht die Überhand gewinnen zu lassen. Danach reicht ein 50% Wasserwechsel pro Woche aus. 

Im späteren Verlauf sollte das Becken dann auch gedüngt werden. Ist ein größerer Fischbesatz geplant, wird ein Dünger mit Eisen und Kalium für die Versorgung ausreichen, bspw. der Tropica Premium Fertilizer oder der JBL ProScape FE+Microelements. Wird das Becken als reines Pflanzenbecken betrieben, müssen Nitrat und Phosphat separat zugesetzt werden, entweder durch einen NPK-Dünger wie dem JBL ProScape NPK Macroelements oder einem Komplettdünger wie dem Tropica Specialised Fertilizer. Mit der Düngung sollte nach 3-4 Wochen begonnen werden, wobei idealerweise bereits ab Tag 1 eine CO2-Anlage angeschlossen wird und ein CO2-Wert von 25-35mg/l gehalten werden sollte. Die Beleuchtungsdauer sollte zunächst bei 6 Std. begrenzt werden und dann ab Woche 4 auf 8 Std. erhöht werden. Läuft das Becken stabil, kann die Beleuchtung nach einigen weiteren Wochen auf bis zu 10 Std. verlängert werden.

Die Pflanzenpflege in diesem Layout gestaltet sich recht einfach: Neben den Stängelpflanzen Ludwigia Rubin und Alternanthera reineckii Mini muss nur noch das Eleocharis sp. Mini ab und an getrimmt werden.

Die Stängelpflanzen werden dabei auf ungefähr der halben Höhe abgeschnitten und treiben dann an 2 neuen Stellen aus dem abgeschnittenen Stängel aus. So wird das Aussehen immer buschiger und die Pflanzenmasse erhöht sich sozusagen von selbst. Achte hierbei nur darauf, dass auch die unten liegenden Blätter immer noch genug Licht abbekommen, da der Stängel ansonsten unten kahl wird. Beim Eleocharis sp. Mini sollte in diesem Layout in erster Linie darauf geachtet werden, dass keine Ausläufer auf dem aus grauem Sand gestaltetem Weg wachsen, um das Layout möglichst sauber zu halten. Ausläufer, die sich verirrt haben, werden einfach rausgeschnitten und entfernt. Alle anderen Pflanzen sind langsamwachsend und bedürfen kaum eines Nachschnitts. Das Weeping Moss auf den Wurzeln kann ab und an in Form gezupft werden und die Hygrophila pinnatifida wird einfach gekürzt, wenn sie zu lang zu werden droht.

Mir hat der Tag in meiner Rolle als Meister super viel Spaß gemacht! Durch meine hauptberufliche Tätigkeit als Fotograf und Fotografie-Trainer liegt mir das Erklären recht gut und so habe ich versucht, wirklich auf alle Fragen, sowohl aus meinem Team als auch von interessierten Messebesuchern, umfassend einzugehen. Besonders schön hat die Arbeitsteilung in meinem Team funktioniert, nie stand jemand gelangweilt herum, es gab immer etwas zu tun und wir alle konnten daher das Becken zu dritt gemeinsam einrichten und gestalten. Auch habe ich versucht, dass Layout nicht strikt vorzugeben. Zwar hatte ich eine Grundidee, die wir dann auch umgesetzt haben, aber z.B. die Verwendung des grauen Sandes am Ende kam als Vorschlag aus dem Team heraus, den wir dann auch gemeinsam umgesetzt haben. Und das Ergebnis überzeugt mich absolut! 

Die größten Aha-Momente für mein Team kamen bei der Vorbereitung und Einsetzung der Pflanzen. Das Handling einiger Pflanzen ist durchaus unterschiedlich und so konnte ich wertvolle Tipps weitergeben was bspw. das Einkürzen der Wurzeln bei vielen Pflanzen angeht oder auch das sofortige Abschneiden aller Blätter, damit die Pflanze sich schneller auf den submersen Wuchs umstellen kann. Und auch das Wissen darum, welche Pflanzen tatsächlich eingepflanzt werden und welche Pflanzen nur als Aufsitzer auf Steinen oder Wurzeln leben war nützlich für meine beiden Schüler. Ich bin mir sicher, dass beide nach diesem Tag ihre kommenden Becken sehr viel selbstbewusster und sicherer einrichten können.

Florian, einer meiner Schüler, selber zu dem Event: "Ich fand es wie letztes Jahr einfach nur geil. Es ist schön mit so viel Leuten einfach einen geile Tag zu genießen um wirklich ein schönes Becken einzurichten. Persönlich war ich mit dem Ergebnis wirklich zufrieden und außerdem freu ich mich, dass die Besitzer ein tolles, neues Becken haben. Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist solche Events zu machen um auch andere Leute von unseren Hobby zu begeistern."

Und auch Lea, meine Schülerin und die andere Hälfte meines Teams, meint: "Mir hat der Tag in Magdeburg wirklich viel Spaß gemacht. Es war cool, mal wieder ein paar Dinge von Profis über das Aquascaping zu lernen und diese dann auch gleich in die Tat umzusetzen. Mit unserem Endergebnis bin ich ziemlich glücklich und erstaunt, wie schnell wir das auf die Beine gestellt haben. Ich möchte mich nochmal bei allen für diesen super Tag bedanken und kann jedem empfehlen auch mal bei der Aquarien Meisterschule mitzumachen."

Der Boden besteht aus JBL Volcano Mineral als Unterbau, darüber JBL Plant Soil beige und darauf eine Zierschicht aus JBL Sansibar Dark Grey.

Ich freue mich, wenn du auch beim nächsten Artikel wieder hier auf meinen Blog zurückfindest!

Bis bald,

Tobi

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